Die vierten Wirtschaftsgespräche der Universtität Salzburg fanden am Donnerstag, 19. Februar auf der Edmundsburg statt. Themenschwerpunkt war in diesem Jahr die Frage: Was braucht der österreichische Wirtschaftsstandort zur nachhaltigen Weiterentwicklung? Die IV Salzburg unterstützt die Tagung von Beginn an und liefert regelmäßige Einblicke in die aktuelle Wirtschaftslage der Salzburger Industrie.
IV-Salzburg-Präsident Peter Unterkofler analysierte gleich zu Beginn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: „Die österreichische Industrie hat die Talsohle durchschritten, von einem echten Aufschwung wird man allerdings noch nicht so bald sprechen können. Die Erholung, die sich abzeichnet, steht auf wackeligen Beinen. Der Großteil der Unternehmen sieht noch wenig Licht am Ende des Tunnels – die hohen Kosten drücken nach wie vor auf Wettbewerbsfähigkeit und Stimmung.“
Kritisch sieht Unterkofler das Fehlen zentraler Struktur-Reformen: „Ohne eine nachhaltige Pensionsreform, spürbare Entlastungen bei Abgaben und eine stärkere Kapitalmarkt-Komponente bleiben die finanziellen Spielräume begrenzt. Erst diese Voraussetzungen ermöglichen eine Re-Industrialisierung und somit auch eine nachhaltige Weiterentwicklung.“
Univ.-Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna, Direktorin ECO Austria, sprach über die Herausforderungen Energie, Demografie und Bürokratie für den Standort Österreich. In Ihrer Conclusio zeigte sich eine identische Sichtweise: „Die Konjunktur erholt sich und zeigt: Österreichs Wirtschaft wächst wieder. Doch jetzt dürfen wir uns nicht zurücklehnen. Entscheidend ist, Reformen bei Sozialausgaben insbesondere Pensionen und staatlichen Ineffizienzen voranzutreiben, sowie Produktivität durch Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle zu steigern – so schaffen wir auch Spielräume für die notwendige Entlastung und stärken nachhaltig die Attraktivität des Standorts.“
Die Hebel für morgen: Digitalisierung, Reformen und Human-Ressourcen
Vizedirektor der LLB Vaduz Bernhard Schmitt stellte die Frage zur Diskussion, wo die Hebel für Wachstum liegen könnten. Michael Pavlik, CEO des KSV1870, sieht Digitale Prozesse als Chance und Zukunftsperspektiven für die Wirtschaft. Peter Draxler (PwC Österreich) und Dominik Immerschitt (PwC und LLB Österreich) hatten sich den Steuerdschungel Österreich als Thema gewählt – sie führten dazu interessante Fakten, unbequeme Wahrheiten und Verbesserungsvorschläge für den Wirtschaftsstandort an. Univ.-Prof. Astrid Reichel von der Universität Salzburg sprach sich dafür aus, Human-Ressourcen nachhaltig zu sichern.
Mehrere Unternehmen aus Wirtschaft und Industrie gingen in der abschließenden Diskussionsrunde auf ihre Erfahrungen aus der Praxis ein:
Felix Strohbichler, CFO der Palfinger AG, erklärt: „Österreich hat in den letzten Jahren deutlich an Standortattraktivität verloren – eine Entwicklung, die sich in einer fortschreitenden Deindustrialisierung widerspiegelt. Jetzt geht es darum, entschlossen und ambitioniert die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Österreich wieder zu den Top‑Standorten für internationale Investitionsentscheidungen aufschließen kann.“
Heimo Berger, CEO der Leube Gruppe, berichtet: „Die österreichische Bauwirtschaft und damit die heimische Bauindustrie waren in den vergangenen drei Jahren von einer Misere im Hoch- bzw. Wohnbau geprägt – als Folge hoher Zinsen sowie der KIM-Verordnung. Eine zu starke Investitionsbremse der öffentlichen Hand wäre und ist für die Bauwirtschaft extrem gefährlich, denn öffentliche Bautätigkeit stärkt die regionale Bauwirtschaft, sichert Arbeitsplätze und den Wohlstand in Salzburg sowie ganz Österreich.“
Ulla Muster, CFO der W&H Group, betont: „Österreichs Wachstum entscheidet sich im Mittelstand. Innovative KMUs sind der Schlüssel zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit – dafür braucht es Führungskräfte, die auch unter globaler Unsicherheit entschlossen handeln und Innovation ermöglichen. Der Standort benötigt klare politische Rahmenbedingungen: rasche Innovationsförderung, wettbewerbsfähige Finanzierungen, moderne Arbeitsregelungen und weniger Bürokratie.“
Univ.-Prof. Sabine Urnik, Vizedekanin der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (PLUS) fasst abschließend zusammen: „Die Tagung zeigt eindrucksvoll, wo der Schuh drückt: Erforderlich sind nach außen hin sichtbare und effektive Strukturreformen, die mit Hilfe digitalisierter Instrumente und Prozesse ehestmöglich umzusetzen sind. Zentrale Ziele dabei sind Entbürokratisierung und die Erhöhung finanzieller Spielräume, um Innovation zu ermöglichen und die Standortattraktivität Österreichs auch im Kontext humaner Ressourcen nachhaltig abzusichern.“


