Zum Jahreswechsel blickt Peter Unterkofler, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Salzburg, neuerlich auf ein herausforderndes Jahr zurück. Der Wirtschafts- und Industriestandort Salzburg wurde durch die rezessive Entwicklung geschwächt – die Dynamik hat sich weiter verlangsamt.
Auch 2025 war ein sehr schwieriges, standortpolitisches Jahr. Der Jahreswechsel ist nun ein passender Anlass, um den Stillstand in Österreich einmal mehr zu kritisieren und über notwendige Maßnahmen im neuen Jahr nachzudenken.
Die heimische Wirtschaft verharrte 2025 in der Stagflationsfalle von fehlendem Wirtschaftswachstum und hoher Inflation, die Staatsausgabenquote ist mittlerweile sogar auf 56 Prozent gestiegen. Damit unsere festgefahrene Volkswirtschaft wieder in Schwung kommt, braucht es deutlich mehr Markt und weniger Staat.
Die aktuellen volkswirtschaftlichen Zahlen sprechen Bände: Die enorme Lohnstückkostendynamik Österreichs hat viele Betriebe aus ihrem Markt gepreist und zu Arbeitsplatzverlusten und Verlagerungen ins Ausland geführt. „Wenn ein Land massive strukturelle Probleme hat, dann ist ein Warten auf den Aufschwung sinnlos,“ erklärt IV-Salzburg-Präsident Peter Unterkofler und fordert mit Nachdruck Reformmaßnahmen von der Bundesregierung ein. „Die aktuell bundespolitischen Standortprobleme wirken sich auch auf die regionale Wettbewerbsfähigkeit der Salzburger Industrie negativ aus.“
Mehr Entlastung und weniger Bürokratie
„Konkret braucht es für das neue Jahr 2026 deutliche Unterstützung im Bereich Lohnnebenkostensenkung. Die Industriellenvereinigung wird nicht müde, eine Fortführung der Strompreiskompensation für energieintensive Unternehmen auch über 2026 hinaus zu fordern. Als drittes Vorhaben möchte ich weitere, umfassende Schritte zur Entbürokratisierung einfordern. Nur wenn wir innovativ und mutig voranschreiten, kann die Industrie ihren Beitrag leisten und der Wohlstand gesichert werden“, betont IV-Salzburg-Präsident Unterkofler.
Eine Hochrechnung zeigt, dass Bürokratiekosten für Industrie und Wirtschaft in Österreich eine Größenordnung von zehn bis 15 Mrd. Euro erreichen – das entspricht bis zu 3,8 Prozent des BIP.
Die Salzburger Industrie und die mit ihr verbundenen Sektoren leisten tagtäglich einen maßgeblichen Beitrag zu Stabilität und Wohlstand im Land– der produzierende Bereich sorgt für rund 28 % der Wertschöpfung im Bundesland und trägt Verantwortung für mehr als 65.000 Beschäftigte in Salzburg. Gerade in Krisenzeiten ist es umso wichtiger, diese Bedeutung wieder ins Bewusstsein der Politik und Bevölkerung zu rufen.
Was braucht der Industriestandort zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit?
„Die Salzburger Industriebetriebe benötigen dringend Deregulierung - Vereinfachung und weniger bürokratischen Aufwand für ihre wirtschaftlichen Abläufe. Vor allem die europäische Union fesselt die Unternehmen mit überbordender Bürokratie. Es fehlt der Respekt vor regulatorischer Überdehnung,“ erklärt Unterkofler.
Nun lockert die EU das von Europas Wirtschaft und Industrie heftig kritisierte Lieferkettengesetz, noch bevor es in Österreich in Kraft tritt. Auch für Salzburgs Betriebe ist das eine große Erleichterung im Kampf gegen die Bürokratisierung. Erst sehr große Unternehmen müssen laut EU künftig die Menschenrechts- und Klimaschutz-Standards bei ihren Zulieferern überprüfen. Konkret muss ein Unternehmen mehr als 5.000 Beschäftigte haben, statt bisher tausend. Daneben beginnt die Pflicht zum Nachweis der Lieferkette künftig ab einem Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro – statt der bisher von der EU geplanten 450 Millionen.
Räumliches Entwicklungskonzept (REK) der Stadt Salzburg
Die Maximen der Wirtschaftsstrategien in Salzburg sind weiterhin einzuhalten. Dennoch will gerade die Stadt Salzburg in das freie Unternehmertum eingreifen. Mit ihrem Entwurf zum REK legt die Stadt derzeit mehr Fokus aufs Wohnen, vergisst aber auf die Bedürfnisse der Wirtschaft! Dabei sind Arbeitsplätze die Voraussetzung dafür, dass alle Bevölkerungsgruppen nicht nur sozial abgesichert sind, sondern auch ein selbstbestimmtes und wirtschaftlich unabhängiges Leben führen können. Wohnraum allein reicht nicht aus – ohne eine starke lokale Wirtschaft und attraktive Arbeitsbedingungen fehlt die Grundlage für nachhaltige Lebensqualität.
Das Handelsabkommen Mercosur mit Lateinamerika ist ein wichtiger und dringend notwendiger Impuls für die österreichische Industrie und Wirtschaft. In Zeiten von Inflation und Stagnation müssen wir alle Chancen ergreifen, um neue Märkte zu erschließen – daher muss auch die Bundesregierung entsprechende Schritte setzen und den Weg zu einer Zustimmung auf EU-Ebene freiräumen. Für die Industriellenvereinigung ist das offensichtlich weiterhin aufrechte Veto der österreichischen Bundesregierung gegen Mercosur sachlich unverständlich und schädlich für Österreich und Europa.
„Die Vorteile des Abkommens sind eindeutig: 91 Prozent der Zölle auf EU-Warenausfuhren in die Mercosur-Staaten sollen schrittweise entfallen. Laut Europäischer Kommission könnten EU-Unternehmen dadurch jährlich bis zu vier Milliarden Euro einsparen“, betont Peter Unterkofler.
„Auf das kommende Jahr blicken wir trotz allem mit Entschlossenheit – nur gemeinsam können wir den Rahmen für eine nachhaltige Industrie erfolgreich gestalten. Was wir brauchen, ist eine positive Grundstimmung: 2026 wird die Salzburger Industrie weiterhin Herausforderungen annehmen, aktiv nach Lösungen suchen und neue Chancen ergreifen“, gibt sich IV-Salzburg-Präsident Unterkofler optimistisch.


