MINTeinander in die Zukunft: Innovation braucht Bildung

Wenn die Industriellenvereinigung Salzburg zur alljährlichen Mitgliederversammlung im Februar lädt, steht das Thema Bildung hoch im Kurs. Dann trifft die Industrie mit Bildungsexperten und Politik zusammen.

Eine Einführung ins Programmieren gab es im Coding Club von Prof. Arthur Schuchter im Rahmen der IV-Salzburg-Mitgliederversammlung.

„Unser Wirtschaftsstandort ist nur dann wettbewerbsfähig, wenn wir unseren jungen Menschen das beste Rüstzeug mit auf den Weg geben.“ Mit diesen Worten eröffnete IV-Salzburg-Präsident Peter Unterkofler den Abend. „Die Lebens- und Arbeitswelt ist zunehmend digital. Dementsprechend müssen wir auch unser Bildungssystem neu ausrichten“, so der Präsident. Wie die Begeisterung für MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) bereits in der Elementarpädagogik gelingt, welche Projekte die IV-Salzburg gemeinsam mit ihren Partnern auf Schiene bringt, und warum „MINT Salzburg“ zum österreichischen Vorzeigemodell wird: Das und mehr war Inhalt der Diskussionen und liefert Stoff für fortlaufende Planungen.

Stärken erkennen, Talente schmieden
Das Engagement der IV-Salzburg reicht von Projekten in der Elementarpädagogik bis hin zu Studienangeboten im tertiären Sektor. Ein besonderes Anliegen ist der IV die frühe Förderung: „Uns geht es darum, bei den Talenten der Kinder anzusetzen und den jungen Menschen mit Informationen und Berufsorientierung den individuell passenden Bildungsweg zu ermöglichen“, sagte Präsident Peter Unterkofler. Bei der frühen Förderung sind sich die Industriellenvereinigung und das Land Salzburg einig: „Wir wollen auf spielerische Art und Weise Interesse für MINT-Themen wecken. Das ist gerade im Hinblick auf die Begeisterung der Mädchen für MINT-Disziplinen wesentlich“, weiß Bildungslandesrätin Maria Hutter. Die IV macht sich für einen MINT-Schwerpunkt auch in Schulen stark, die Landesregierung zieht mit. „Dafür braucht es ein Miteinander von Industrie, Politik und Bildung“, so die Landesrätin.

Lernen durch begreifen
Dass das Miteinander gut gelingt, zeigt sich auch am Projekt „Salzburg begreifen“: Die Volksschullehrerinnen Gabi Wagner, Elisabeth Grutschnigg und Susanne Fink aus Bad Gastein haben im Sachunterricht einen kindgerechten Heimatkunde-Bezug vermisst. Für die Lehrerinnen war das ein Ansporn, mit einer „Salzburg begreifen-Landkarte“ fächerübergreifendes Lernen zu ermöglichen: Fragen aus kindlicher Perspektive waren der Ausgangspunkt für das Unterrichtsmaterial. Wo wohne ich in Salzburg? Wie weit ist es in die Landeshauptstadt und wie sehen die Dimensionen auf einer Landkarte aus? Was gibt es in meinem Heimatort und in unserem Bundesland geografisch, wirtschaftlich und kulturell zu entdecken? Wo war ich wandern, wo beim Schifahren? Und wo arbeiten meine Eltern? Warum gibt es in manchen Regionen viele Unternehmen, in anderen nur wenige? Nach dem Prinzip „von der Hand in den Kopf“ arbeiten die Kinder am Boden auf einem vier Mal vier Meter großen, beschrifteten Satellitenbild des Bundeslandes Salzburg. Belebt und in eine 3D-Landschaft verwandelt wird dieses mit diversen Materialien: Blaue Holzketten etwa stellen Flüsse dar. Es gibt Berge, Turbinen, Tiere und neuerdings sogar Schifahrer und vieles mehr. So begreifen die Kinder Salzburg und seine unmittelbare Umgebung spielerisch. Die IV-Salzburg hat das Projekt mit einer Anschubfinanzierung unterstützt und erste Unternehmen zur Beteiligung animiert. Weitere sollen dazu kommen, um flächendeckend in Salzburgs Volksschulen unser Bundesland begreifbar zu machen. Das Land Salzburg ist bereits mit im Boot und unterstützt das Leuchtturmprojekt. Im weiteren Schritt wird es um digitale Bildung gehen; sowohl mit der Fachhochschule, der Pädagogischen Hochschule als auch dem Fachbereich Geoinformatik der Universität Salzburg feilt das Projektteam an technologischen Elementen. Augmented Reality und Virtual Reality werden dem handelnden Lernen eine weitere Dimension hinzufügen und neue Möglichkeiten eröffnen.

Auszeichnung für die Besten
Der Bogen des Abends reichte von einem Coding Club als Einstieg in das Programmieren bis hin zur Verleihung von IV-Salzburg-Stipendien für herausragende Leistungen im Doppelstudium der Ingenieurwissenschaften. Dieses duale Studium hat die IV-Salzburg im Jahr 2006 initiiert. Es bietet eine breite ingenieurwissenschaftliche Basisausbildung an der Universität Salzburg und an der Technischen Universität München; die Studierenden schließen mit einem Doppeldiplom ab. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr außerdem zwei Industrietechniker. Um sich „Industrietechniker“ nennen zu dürfen, braucht es eine technische Lehre mit mindestens gutem Erfolg sowie die Berufsreife- und die Werkmeisterprüfung. Das Modell wurde 2007 im Rahmen des Standortabkommens mit dem Land Salzburg beschlossen. Es unterstreicht die Bedeutung der Lehrausbildung in den Salzburger Industriebetrieben. Max Winklinger (W&H Dentalwerk) und Andreas Ferner (Bosch Hallein) gehören als Industrietechniker zur „Elite der Lehrabsolventen mit Zusatzqualifikationen“, freut sich Irene Schulte, Geschäftsführerin der IV-Salzburg. Die Urkunden durften die beiden Nachwuchstalente von ihren Chefs Peter Malata (W&H) bzw. Uwe Zeise (Bosch) entgegennehmen.

Revolutionierung der Bildungsindustrie
Wie die Digitalisierung die Bildungsindustrie revolutionieren wird, darüber sprach zum Abschluss eines facettenreichen Abends Keynote-Speakerin Prof. Isabell M. Welpe von der TU München. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Strategie und Organisation eröffnete in ihrem Vortrag, wie Innovationen die Wirtschaft verändern werden und was dies für die Unternehmensführung, den Arbeitsmarkt und das Bildungswesen bedeutet. „Der Umgang mit der immer größer werdenden Komplexität ist für Unternehmer das Schwierigste“, so Welpe in ihren eröffnenden Worten. Unternehmensführung sei heute wie Wildwasserfahren: Man müsse kräftig paddeln, um auf Kurs zu bleiben. Dem Darwin´schen Prinzip zufolge würden die Fittesten überleben: jene Unternehmen, die es verstünden, sich am besten an rasant wandelnde Rahmenbedingungen anzupassen. Vorreiter sei die IT-Industrie als jene Branche, in der sich Leistungen alle zwei Jahre verdoppeln und die alle Branchen verändert. Für die Bildungsindustrie erfordere dies einerseits eine grundlegende Modernisierung und Digitalisierung der Lehre, andererseits die Verschränkung von IT und Social Skills. Laut einer Studie des World Economic Forum gehören zu den „Top-Fähigkeiten“ im Arbeitsleben die Lösung komplexer Probleme, kritisches Denken, Kreativität, Menschenführung, Teamwork und emotionale Intelligenz. In Leadership und Innovationsstärke hinke Kontinentaleuropa dem „Digital Powerhouse USA“ und dem „Engine Power House“ China hinterher. Doch lang werde es nicht mehr dauern, bis der amerikanische Trend auch hierzulande Einzug halte: Unternehmen würden nach Vorbild markenstarker Unternehmen wie Google zunehmend auf Skills und weniger auf Hochschulabschlüsse setzen. EdTech-Startups würden an Bedeutung gewinnen, die besten Talente künftig immer weniger dem Geschäftsmodell von Elite-Universitäten entspringen und noch nicht entdeckte Talente durch die Öffnung von Bildungsangeboten erschlossen: „Durch die Digitalisierung verändern sich jahrzehntelange Paradigmen: Das Geschäftsmodell von Harvard etwa glich einer Gucci-Tasche: Bildung wurde als knappes Gut teuer verkauft, wohingegen digitale Lösungen das Elitedenken heute infrage stellen und Bildung für alle öffnen“, so Welpe. Ein zukunftsorientierter Ansatz, wenn es um die Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft geht: Denn viele Unternehmen und Berufe werden in den nächsten zehn Jahren verschwinden; die Wirtschaft braucht Fachkräfte und Talente, die exponentiell denken und sich damit in Wirtschaft und Gesellschaft einbringen. EdTech-Startups schmieden nicht umsonst an individuell zugeschnittenen Bildungsangeboten, die den Trend zur Personalisierung von Lehrangeboten unterstreichen: wird Unterricht auf Lernverhalten adaptiert, ist eine exponentielle Zunahme von Wissen möglich. Ein Erfolgsfaktor für die Zukunft, denn: 65 Prozent der heute eingeschulten Kinder werden in Jobs arbeiten, die es noch nicht gibt. Lebensbegleitendes Lernen und agiles Denken sind das Credo, das den Kurs der IV-Salzburg bestätigt: Wirtschaft und Schule gehen Hand in Hand, Bildung ist die Ressource der Zukunft!

In unserer Bildergalerie haben wir den Abend in Eindrücken zusammengefasst.

Kontakt

Mag. (FH) Gertraud Eibl, MAS

Presse & Kommunikation, Industriellenvereinigung Salzburg

T +43 662 872 266 79
gertraud.eibl@iv.at


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