Industriegetragener Aufschwung beflügelt Salzburg

Bester Wert der letzten 20 Jahre: 90% der befragten Unternehmen berichten aktuell von guter Auftrags- und Geschäftslage - Herausforderungen sind Lieferengpässe, Preissteigerungen und Arbeitskräftemangel

„Noch nie haben 90% der Unternehmen ihre aktuelle Auftrags- sowie Geschäftslage mit sehr gut bewertet“, so Peter Unterkofler, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Salzburg zur aktuellen IV-Konjunkturumfrage. Mit dem Wert 51,7 ist das Barometer des Geschäftsklimas im Vergleich zum Vorquartal leicht gestiegen (Q3/21: 48,0). Dieses Klima wurde durch den Mittelwert zwischen aktueller und der Geschäftslage in sechs Monaten errechnet. Der industriegetragene Aufschwung wird sich heuer in moderatem Tempo fortsetzen.  

Wirtschaftslage insgesamt sehr durchwachsen

„Die Industrie ist von großer Bedeutung für Salzburg und in einer sehr guten Lage. Anderen Branchen geht es derzeit nicht so gut. Die Hotellerie hat laut ersten Schätzungen nur 30 Prozent Auslastung im Jänner, die Stadthotellerie nur 15. Auch im Handel gehen wir davon aus, dass die Umsätze im Jänner bei nur 30 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr vor der Pandemie liegen. Es ist deshalb höchst an der Zeit, dass es zu Öffnungen kommt. Die Prognosen sind gut, dass die Infektionszahlen ab Februar und März wieder abnehmen“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer

Industrie hat Stabilität auch in stürmischen Pandemiezeiten bewiesen

„Für diese zuverlässige Stütze des wirtschaftlichen Aufschwungs sind unsere Unternehmen und Führungskräfte unglaublich gefordert, um die Kapazitäten trotz Lieferengpässen, Preissteigerungen und eklatantem Fachkräftemangel herzustellen und die Aufträge abzuarbeiten“, schildert Präsident Unterkofler die aufreibende Lage in den Salzburger Unternehmen. Angesichts dieser Fülle an Herausforderungen ist es umso wichtiger, Stabilität zu gewährleisten sowie die Qualität des Standorts weiter zu verbessern. So begrüßt die IV die Einrichtung der neuen Fakultät für Digitale und Analytische Wissenschaften, wünscht sich aber auch mehr IT-Ausbildung in den Schulen. Auch sind Maßnahmen sowohl zur Eindämmung der aktuellen Kostenexplosion bei Strom und Gas als auch zur Erhöhung der wirtschaftlichen Resilienz ein Gebot der Stunde.  

Lehrlingsoffensive gegen Fachkräftemangel

Allen Branchen in Salzburg gemeinsam ist derzeit der Bremsfaktor Nummer Eins bei der weiteren Entwicklung: Der Arbeitskräftemangel. „Wir haben allein bei den Lehrberufen einen Zuwachs an offenen Stellen um über 20 Prozent. „Konkrete Abhilfe bieten wir in Salzburg unter anderem mit einer gezielten Lehrlingsoffensive. Sie zeigt sich bereits in der Orientierungsphase für junge Menschen auf der Suche nach einer geeigneten Karriere, setzt sich durch hochwertige Ausbildung, zeitgemäße Berufsbilder und anschauliche Praxis fort und wird durch die Möglichkeit der dualen Ausbildung auch für Maturanten sinnvoll ergänzt. Indem wir wieder mehr junge Menschen für einen Lehrberuf begeistern, sichern wir den Fortbestand unserer Betriebe langfristig“, so Landeshauptmann Haslauer

Metall- und Maschinenbauindustrie als Motor

„Betrachtet man die einzelnen Branchen, so ist die in Salzburg starke Metall- und Maschinenbauindustrie der Motor des Aufschwungs. Jene Branchen, die stark vom Tourismus und Gastronomie abhängen, sind Corona-bedingt von Umsatzeinbußen betroffen. Die Lieferschwierigkeiten elektronischer Teile machen sich unter anderem in der Fahrzeugzulieferindustrie bemerkbar. In den nächsten drei Monaten benötigen 60 Prozent der befragten Unternehmen neue Mitarbeiter, die anderen werden ihren aktuellen Beschäftigungsstand halten. Aus dem Fachkräftemangel ist ein Arbeitskräftemangel geworden. Offene Stellen sind immer schwieriger zu besetzen“, fasst der Präsident der IV-Salzburg Peter Unterkofler zusammen. „Die Hochkonjunktur der Industrie ist nicht nur Segen.  Die Auftragslage und die Ertragslage in sechs Monaten zeigen, dass massiv gestiegene Rohstoffpreise nicht immer an die Kunden weitergegeben werden können und die Ertragslage dadurch etwas schwächer eingeschätzt wird“, so der IV-Präsident. 

Karriere mit Lehre ist gelebte Praxis

In den beiden Salzburger Bosch-Werken weiß man, welch enormer Aufwand es für alle Beteiligten ist, die Ablieferung vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen sicherzustellen. „Neben der Corona-Pandemie und der Rohstoffknappheit sind wir konfrontiert mit einem Fachkräftemangel, weswegen die Attraktivität der Lehrberufe in der gesellschaftlichen Wahrnehmung weiter gesteigert werden muss“, so Alexandra Bichlmayer, Geschäftsführerin Bosch Industriekessel Austria GmbH, Bischofshofen. Darüber hinaus beschäftigt das Unternehmen die zunehmende Inflation, die zu starken Lohnkostensteigerungen führt. Bosch will jedenfalls aktiv mitgestalten, um den Standort Salzburg auch weiterhin wettbewerbsfähig und attraktiv zu halten, um zukünftiges Wachstum in der Region zu ermöglichen. 

Höchster Auftragsbestand in der Firmengeschichte

Im Liebherr-Werk Bischofshofen markiert der aktuelle Auftragsbestand einen Höchststand in der Firmengeschichte und könnte damit 2022 zu einem neuerlichen Rekordjahr werden lassen. „Unsere größte Herausforderung ist es derzeit, alle Bauteile für die Radladerproduktion rechtzeitig und in ausreichender Menge zu erhalten“, so Geschäftsführer Manfred Santner. Denn durch Rohstoff-, Kapazitäts- und oftmals Covid-bedingte Versorgungsengpässe werden sowohl nationale als auch internationale Zulieferketten häufig ungeplant gestört. 

Kennzahlen 

Bosch Industriekessel Austria GmbH & Robert Bosch AG

An den beiden Salzburger Bosch-Standorten in Hallein und Bischofshofen wird auf das Jahr 2021 mit Stolz zurückgeblickt. Es hat an beiden Standorten ein starkes Wachstum gegenüber 2020 gegeben. Karriere mit Lehre ist Realität und gelebte Praxis. Daher können sich - neben der Ausbildung von über 50 jungen Menschen in diversen Lehrberufen - im Rahmen interner Schulungsprogramme beispielsweise Fertigungsexperten zu Data Scientists umschulen lassen. 

Liebherr-Werk Bischofshofen

Das Jahr 2021 brachte Liebherr in Bischofshofen einen Rekordumsatz von 802 Mio.-Euro. Damit liegt das Unternehmen um 17% über dem Vorjahr und um 13% über dem bisherigen Rekordjahr 2019. 2021 konnte außerdem der Personalstand um 140 Personen auf nunmehr rund 1.400 Beschäftigte erhöht werden. 88 Personen davon sind Auszubildende, mit denen das Unternehmen auch in Zukunft einen wesentlichen Teil seines regelmäßigen Nachwuchsbedarfes abdecken will. 

Die Ergebnisse der IV-Konjunkturumfrage im Detail 

Im vierten Quartal 2021 bewerten fast alle befragten Unternehmen die aktuelle Geschäftslage entweder als „gut bzw. steigend“ oder mit „durchschnittlich bzw. gleichbleibend“ und nur 7% als „schlechter“. Mit der Bewertung „gute“ Geschäftslage von 90% der befragten Unternehmen wurde ein seit Aufzeichnungsbeginn 2008 noch nie erreichter Wert erfasst! Diese Situation spiegelt sich auch beim Ausblick auf die Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten wider: Aktuell sehen lediglich 17% der Unternehmen ungünstigeren Zeiten entgegen. Ebenfalls fast alle Unternehmen bezeichnen die derzeitigen Auftragsbestände sowie die aktuelle Auslandsauftragslage als „steigend“ bzw. bewerten mit „gleichbleibend“. Dieser Ausblick auf die nächsten Monate versprüht weiterhin Optimismus, alle zehn Parameter liegen im positiven Bereich. Weiterhin benötigen über 60% der befragten Unternehmen neue MitarbeiterInnen, die anderen werden ihren aktuellen Beschäftigungsstand halten; jedoch sehen sich 4 Unternehmen gezwungen Stellen abzubauen, so der Stand Mitte Dezember 2021.  

Der Anteil der Betriebe, die im vierten Quartal 2021 ihre Ertragssituation als „gut“ bewerteten, pendelte sich mit 52% in etwa beim Jahresdurchschnitt ein, während 11% der befragten Unternehmen hier „schlecht“ angeben. 17% der Unternehmen rechnen mit Einbußen (Vorquartal 9%); der Ausblick auf gleichbleibende bzw. bessere Zeiten überwiegt somit auch weiterhin äußerst stark. Auch die Produktionstätigkeit sowie Produktionskapazitäten in der Dreimonatsvorschau ist überwiegend positiv: Fast alle Unternehmen sehen aktuell einer stabilen Zukunft entgegen, etwa vier Zehntel sehen „steigende“ Kapazitäten. 

Zur Befragungsmethode: An der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Salzburg haben sich 21 Betriebe mit 12.849 Beschäftigten beteiligt. Die Auswertung ist nach Beschäftigten gewichtet. Bei der Umfrage werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. An den Prozentanteilen der Antworten wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den positiven und negativen Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Das Konjunkturbarometer wird aus dem Mittelwert der aktuellen Geschäftslage und der erwarteten Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt. 

Im Anhang finden Sie die Ergebniszahlen sowie die Grafiken zum Konjunkturbarometer.

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