Vom Fachkräftemangel zur Fachkräftesicherung: IV-Salzburg-Präsident Unterkofler in der Radio Salzburg "Mittagszeit"

Die Konjunktur zieht an und die Auftragslage ist gut. Mit der positiven Entwicklung verschärft sich der Fachkräftemangel in Salzburgs Industrieunternehmen. Vielen fehlen qualifizierte Mitarbeiter. Welche Branchen besonders betroffen sind und welche Maßnahmen greifen, diskutierten am 21. September IV-Salzburg-Präsident Peter Unterkofler und Anton Költringer, stellvertretender Landesgeschäftsführer des AMS Salzburg. Beide waren zu Gast bei ORF-Moderatorin Barbara Weisl in der Radio Salzburg „Mittagszeit“.

In eigenen Lehrwerkstätten bilden Unternehmen ihre Fachkräfte aus und weiter

Die Klage vom Fachkräftemangel ist nicht neu. Verschärft hat sie sich durch den konjunkturellen Aufschwung: „Wir rechnen mit einem Wirtschaftswachstum von 2,4 bis 2,7 Prozent. Dafür brauchen wir qualifizierte Fachkräfte, vor allem in den MINT-Qualifikationsfächern“, sagte Peter Unterkofler in der Live-Sendung. MINT, das sind die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Felder, in denen die Zukunftsjobs zuhause sind, also Jobs mit Perspektiven, mit guten Löhnen und Gehältern.

Hand in Hand von Ausbildung und Wachstumstrend

Zu beobachten ist, dass die Qualifikation der benötigten Fachkräfte mit dem Wachstumstrend nicht Schritt hält. Neue Berufe entstehen, die digitale Transformation schafft veränderte Möglichkeiten und Anforderungen. Der Bedarf zieht sich durch diverse Branchen, besonders betroffen ist die produzierende Industrie. Darunter Firmen, die Mitarbeiter mit IT-Kompetenzen brauchen, wie zum Beispiel die Salzburger Leitbetriebe Porsche Informatik, Sigmatek, Kappacher und Liebherr. Gefragt sind neben IT-Kompetenzen agiles Denken und Kommunikationsfähigkeit.

Parallel zum Konjunkturaufschwung 2017 ist ein Zuwachs um knapp 30 Prozent an offenen Stellen zu verzeichnen. In Summe waren im August knapp 12.000 Personen im Bundesland Salzburg arbeitslos gemeldet. Im Produktionssektor, in dem die technischen Jobs zu besetzen sind, gibt es beinahe eine Vollbeschäftigung, also mehr offene Stellen als vorgemerkte Personen.

Langfristige Strategien zur Bedarfssicherung

Klar ist: ändert sich die Konjunktur, braucht es langfristige Strategien, um den Bedarf an Fachkräften zu decken. IV-Salzburg-Präsident Unterkofler spricht von einem relativ gleichmäßig verteilten Bedarf an Absolventen aus allen Sektoren: vom Lehrling über den HTL- bis hin zum Uni- und FH-Absolventen. Personen, die lediglich einen Pflichtschulabschluss haben, hätten es viel schwerer. Das bestätigen die Zahlen von 30 bis 40 Prozent Arbeitslosigkeit bei den niedrig Qualifizierten. "Hier gilt es gegenzusteuern“, so Költringer.

Viele Unternehmen machen das bereits. Sie qualifizieren angelernte Kräfte durch eine Lehrlingsausbildung. Einige Betriebe, so etwa der Salzburger Beschlägehersteller MACO, haben im Unternehmen eigene Lehrwerkstätten für die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter eingerichtet. Peter Unterkofler: „Da geht es um lebenslanges Lernen und Qualitätssicherung.“ Obwohl die Bemühungen in die richtige Richtung weisen, verzeichnete das AMS einen Rückgang in der Lehrlingsausbildung. Konkret von rund 5.500 auf 4.500 Lehrlingen seit 2011. Mittlerweile zeigt der Trend wieder nach oben.

Erfolg beginnt früh

Der Ruf nach langfristigen Strategien für die Lösung des Fachkräftebedarfs bestätigt, wie wichtig es ist, bei der Qualifizierung bereits in der Elementarpädagogik anzusetzen. Basis für technisches Interesse sind Experimentierfreude und die Lust am Entdecken. Deshalb bietet die IV-Salzburg Bildungsangebote an, die von der Spürnasenecke in Kindergärten über „Lust auf Technik-Workshops“ in Schulen bis hin zu Talente Checks für die Berufsorientierung reichen. Mit dem MINT-Gütesiegel wurde der richtige Schritt gesetzt; bis 2020 soll in jedem Salzburger Bezirk mindestens ein MINT-Schwerpunkt pro Schultyp aufgebaut werden. Die IV-Salzburg arbeitet daran, Salzburg im MINT-Bereich als Innovation Leader zu positionieren. Das heißt: jedes Kind soll befähigt werden, an der digital geprägten Gesellschaft teilzunehmen und an den zukünftigen Qualifikationsanforderungen der Arbeitswelt anzuknüpfen.

Vom IT-Leader zum Innovation Leader

Den wachsenden Bedarf an Informatik-Fachkräften bestätigt eine Erhebung in 130 Salzburger Unternehmen. 88,5 Prozent der Befragten halten eine Informatik-HTL für sinnvoll. Für eine solche setzt sich die IV-Salzburg ein. Der vorgesehene Lehrplan umfasst Kompetenzen in den Bereichen Programmieren, Software-Engineering, Systemplanung, Projektentwicklung, Management und BWL. „Es wäre die erste spezifische HTL in ganz Westösterreich, die sich ausschließlich diesem Schwerpunkt widmet. Wir wissen bereits jetzt, dass wir einen zehnfach höheren Bedarf haben als wir an Absolventen bekommen“, resumiert Unterkofler. Das gleiche gelte für Absolventen im IT-Bereich an Unis und Fachhochschulen.

Peter Unterkofler weist darauf hin, dass viele der Maßnahmen erst in Jahren wirksam werden, „für optimale Bedingungen müssen wir aber jetzt sorgen“. Einige Anstrengungen greifen bereits: Land, Stadt und IV-Salzburg finanzieren gemeinsam eine Stiftungsprofessur an der Universität Salzburg. Damit soll der seit einem Jahr erfolgreich etablierte Master Data Science verstärkt werden. Außerdem gibt es ein ingenieurwissenschaftliches Studium an der Universität Salzburg in Kooperation mit der Technischen Universität München. Das institutionenübergreifende Technikmodulstudium läuft erfolgreich seit 2007.

IV-IconInformationen zum Beitrag


Kontakt

Mag. (FH) Gertraud Eibl, MAS

Presse & Kommunikation, Industriellenvereinigung Salzburg

T  +43 662 872 266 79
E   gertraud.eibl@iv.at

IV-Iconiv-positionen

Neueste Ausgabe lesen
iv-exklusiv Bild