IV-Salzburg-Präsident Peter Unterkofler: KV-Abschluss hart an der Grenze

Der IV-Salzburg-Präsident über Kollektivvertragsverhandlungen, die zum politischen Statement wurden, über ein Ergebnis, das die Leistung der Mitarbeiter hoch anerkennt und über Reformen, die umso dringender sind.

Dr. Peter Unterkofler: Ergebnis der KV-Verhandlungen hart an der Grenze

Noch nie waren bei Metaller-Lohnverhandlungen so viele Gesprächsrunden notwendig wie in diesem Jahr. 64 Stunden und sieben Runden verhandelten die Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter der Metalltechnischen Industrie (MTI). Währenddessen gab es in ganz Österreich Betriebsversammlungen; im Bundesland Salzburg haben insgesamt 13 Industriebetriebe Warnstreiks und Betriebsversammlungen abgehalten. Vor dem angekündigten Streikmontag kam die Einigung.

Der am 18. November 2018 getroffene Abschluss setzt ein markantes Zeichen für beide Seiten: Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter. Mit einer starken Lohnerhöhung hat die Metalltechnische Industrie die Messlatte für weitere Branchen und deren Lohnverhandlungen hoch angesetzt. Knapp 3,5 Prozent sind es im Schnitt. Für die niedrigsten Gehälter kommt ein Plus von 4,3 Prozent heraus. Lehrlinge dürfen sich über ein Gehaltsplus von bis zu zehn Prozent freuen. Damit setzen wir ein Zeichen für den Stellenwert unseres hochqualifizierten Nachwuchses. Nun liegt es an uns, systematisch in die Aus- und Weiterbildung kräftig zu investieren. Unsere MINT-Initiativen sind Teil der konkreten Ausgestaltung.

Im heißen Herbst, den die Gewerkschaft bereits im Sommer angekündigt hatte, ist es leider nicht immer fair zugegangen. Die Kollektivvertragsverhandlungen wurden zum politischen Statement, Themen wurden vermischt. Von Gewerkschaftsseite wurde eine Kompensation für das neue Arbeitszeitgesetz angepeilt – die notwendige Flexibilisierung der Arbeitszeit in unserer modernen Arbeitswelt außer Acht lassend. Unser aktueller Konjunktur-Ausblick sagt uns zwar keinen massiven Einbruch voraus, er bereitet uns aber auf eine Eintrübung vor. Während der Verhandlungen haben wir als Arbeitgebervertreter mehrfach betont, keinen Spielraum für weitere Belastungen zu sehen. Das war kein Jammern auf hohem Niveau, sondern eine reale Einschätzung der wirtschaftlichen Situation mit zukunftsorientiertem Blick zum Wohle aller: unserer Unternehmen und ihrer Mitarbeiter.

Als dementsprechend hart an der Grenze bewerten wir den Abschluss der KV-Verhandlungen. Selbst Betriebsräte bezeichnen diesen als „sehr hoch“. Preisdruck besteht etwa durch die Volatilität der Rohstoffpreise auf internationalen Märkten, durch einengende Vorschriften und harte Überprüfungen. Ein Produktivitätszuwachs in entsprechender Höhe ist schwer zu erreichen. Und um die elfte und zwölfte Arbeitsstunde gab es viel Verwirrung, die nun mit einem 100-prozentigen Zuschlag geklärt ist. Den Stimmen aus den Betrieben entnehmen wir, dass die Einigung hier und da ein Aufatmen gebracht hat. Internationale Konzerne können Investitionen fortan tätigen, die während des Verhandlungszeitraums „on hold“ waren. Vereinzelt teilten uns Unternehmer mit, dass man die Streiks hätte durchziehen sollen. Das Ergebnis, das durchaus als Anerkennung für die Mitarbeiter zu werten ist, verlangt eine umso dringendere Umsetzung der Reformen. Und es ist ein Zeichen für die zentrale Rolle, die der Qualifizierung unseres Nachwuchses zukommt. Nun gilt es, das Fundament für weitere Investitionen zu schaffen: Für den Erfolg unseres Wirtschaftsstandortes und die Qualität unseres Lebensraumes.

Kontakt

Mag. (FH) Gertraud Eibl, MAS

Presse & Kommunikation, Industriellenvereinigung Salzburg

T +43 662 872 266 79
gertraud.eibl@iv.at


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