Zweites Nationales Ressourcenforum in Salzburg

Internationale Experten wie Franz Josef Radermacher diskutierten beim zweiten Nationalen Ressourcenforum über praktische Beispiele von Unternehmen und Gemeinden sowie Bildungsmaßnahmen zu mehr Ressourcen-Effizienz. Fazit: 2050 wäre ein hoher Wohlstand mit nur 30 Prozent des konsumierten Materials von heute möglich. 

(v.l.n.r.) Rudolf Zrost, Präsident Ressourcen Forum Austria, Franz Josef Radermacher, Globaliserungsexperte der Universität Ulm, Wolfgang Wagner, Bürgermeister von Köstendorf und Franz Studener, Geschäftsführer von Erdal GmbH, setzen sich beim Zweiten Nationalen Ressourcenforum mit Kompetenz für mehr Ressourcen-Effizienz ein.

Natürliche Ressourcen sind nicht im unendlichen Ausmaß verfügbar. Effizienz ist deshalb das Gebot der Stunde. Wie Unternehmen und Gemeinden maßgeblich zur Ressourcen-Wende beitrage können, war Thema beim zweiten Nationalen Ressourcenforum am 26. und 27. Februar in Salzburg.

Im Jahr 2012 verbrauchte die Weltbevölkerung Ressourcen von 1,6 Planeten. Seit 1990 wurden 239 Millionen Hektar Naturwälder vernichtet. Unsere derzeitige Ressourcen-Nutzung übersteigt die Tragfähigkeit unseres Planeten. Die Ressourcen-Effizienz zu steigern, zählt zu den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Dabei stehen Wirtschaft und Gesellschaft im ständigen Wettbewerb um ökologisch produktive Flächen und Ertrag. „Im Kontext eines weiterhin massiven Weltbevölkerungswachstums und angesichts großer Verwerfungen im Umfeld der Themen Energie und Klima und damit verbunden der Thematik der Dekarbonisierung stellt sich die Frage der Zukunfstgestaltung in einem zunehmend unübersichtlichen politisch-gesellschaftlichen Umfeld“, sagt Franz Josef Radermacher, Globalisierungsexperte der Universität Ulm. In dieser Problematik kann aber auch eine Chance bestehen: „Ressourcen sind ein zentrales Thema für Wirtschaft und Gesellschaft in Europa – und auch in Österreich. Daher haben wir das Ressourcen Forum Austria gegründet. Wir sehen in der Ressourcen-Frage aber nicht ein Problem, sondern eine Chance“, beschreibt Rudolf Zrost, Präsident des Ressourcen Forum Austria, die Motivation des Vereins.
 
Die Frage dabei lautet: Reichen die vorhandenen Ressourcen aus, um all das bereitzustellen, was wir konsumieren? Dreimal mehr, als der Planet pro Kopf regenerieren kann, verbraucht der Österreicher im Durchschnitt. 70 Prozent mehr, als der Lebensraum Österreichs pro Person erneuern kann. Dabei hat im Jahr 2014 die Welt am 19. August den Jahresvorrat an erneuerbaren Ressourcen aufgebraucht, 2016 war es bereits der 8. August. Dieser Tag gilt als Overshoot Day. Ab diesem Zeitpunkt waren wir auf einen Kredit der Erde angewiesen und zehren an ihren Reserven. In einer Welt im Overshoot wird ein Ressourcen-Defizit zum Risiko, auch für Österreich. Läuft die aktuelle weltweite Nachfrage nach Rohstoffen weiterhin wie bisher, würden wir im Jahr 2050 die Ressourcen von drei Planeten benötigen. Aufgrund dieses hohen Materialkonsums und der steigenden Nachfrage bei gleichzeitiger Verknappung wird die Regenerationsfähigkeit der Natur – die Biokapazität – nun auch zu einem limitierenden Faktor für die Wirtschaft. 
 
Was bedeutet das für Österreich?
Europa und dabei auch Österreich, sind von Rohstoffimporten aus dem Ausland abhängig. Durch die steigende Nachfrage bei gleichzeitiger Verknappung der Ressourcen steigen aber auch die Preise auf dem Weltmarkt. „Eine höhere Ressourcen-Effizienz ist daher ein wichtiger Kosten- und Wettbewerbsfaktor für Unternehmen. Nicht nur Produktionsprozesse oder Abfallmanagement, sondern auch Änderungen an Produkten und Dienstleistungen. Ressourcen-Effizienzstrategien können daher gleichzeitig auch Motor für Innovationen sein“, sagt Rudolf Zrost. 
 
Die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Österreich kann langfristig nur aufrecht erhalten werden, wenn die Lohnstückkosten wie auch die Materialstückkosten gesenkt werden. Ein schonender und gleichzeitig effizienter Umgang mit natürlichen Ressourcen wird daher eine Schlüsselkompetenz zukunftsfähiger Gesellschaften sein. Wachstum und Wohlstand müssen so weit wie möglich vom Einsatz natürlicher Ressourcen entkoppelt werden. Länder, deren Verbrauch sich im Rahmen ihrer Biokapazität hält, haben mehr Handlungsspielraum für Überschüsse und Exportgüter. 
 
Beim Zweiten Nationalen Ressourcenforum stellten die Geschäftsführer Franz Studener und Duško Stojaković den Teilnehmerinnen und Teilnehmer die eindrucksvollen Aktivitäten des Unternehmens vor: die Recyclate Initiative und die Initiative „europäische Tenside“ sind zwei von vielen Beispielen, wie wichtig dem Unternehmen das Thema ist. Bei der Initiative „europäische Tenside“ handelt es sich um ein ambitioniertes Forschungsprojekt, mit dem Ziel anstelle waschaktiver Substanzen (Tenside) auf Palmkernölbasis zukünftig verstärkt pflanzliche Tenside europäischer Herkunft zu verwenden. Die Recyclate Initiative forciert die Wiederverwendung von PET-Flaschen.
 
„Langfristig können wir nur wachsen und wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn wir auch ökologische Fortschritte machen, und daran arbeiten wir gern", so Franz Studener, Geschäftsführer der Erdal GmbH. Als Teil der international agierenden Werner&Mertz Gruppe hat das Unternehmen Erdal seinen Sitz in Hallein in Salzburg. Für das erfolgreiche Unternehmen sind rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hallein und rund 900 Menschen europaweit tätig. 
 
Politische Initiativen
Gemeinsam mit dem Österreichischen Gemeindebund und dem Ressourcen Forum Austria hat das Lebensministerium die Studie „Ressourcen-effiziente Gemeinde“ durchgeführt, damit Gemeinden künftig stärker im Umgang mit Ressourcen unterstützt werden. Ein Online-Selbstcheck für kommunale Ressourcen-Effizienz-Potentiale und weitere Informations- und Beratungstools werden hier entwickelt. Gemeinden können in Bereichen wie Abfallwirtschaft, Energieversorgung, Flächennutzung oder Mobilität gezielt Maßnahmen zur Ressourcen-Schonung setzen.
 
In Köstendorf beispielsweise, werden bereits Maßnahmen gesetzt. „In der Gemeinde zeigen wir vor allem in Bereichen wie energie-effizientes Bauen, Energieberatung, Smart Grid und Elektromobiliät, Stromversorgung aus PV oder Wasserkraft besonderes Engagement“, sagt Bürgermeister Wolfgang Wagner. Überregionale Bekanntheit, erlangte der Ort mit dem Projekt der „Smart Grid Modellgemeinde“. Dabei zeichnen nun zahlreiche Fotovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden und auf Einfamilienhäusern, aber auch eine höhere Nutzung von Elektrofahrzeugen das Bild von Köstendorf. Durch die Salzburg-AG sowie Industrie und Technologieinstitutionen wird der Entlastungseffekt im Stromnetz durch intelligente Steuersysteme erforscht. 
 
Die Kreislaufwirtschaft
Laut Statistik landen rund drei Milliarden Tonnen hochwertige Stoffe auf Müllhalden und in Verbrennungsanlagen. Der cradle-to-cradle Ansatz soll dem entgegenwirken und trägt die Vision einer abfallfreien Wirtschaft. Bei der Kreislaufwirtschaft sollen verwendete Produkte richtig recycelt werden. Nach dem cradle-to-cradle Ansatz soll Material, ohne dabei an Qualität zu verlieren, wieder für das selbe Produkt verwendet werden. Neben dem „downcyceln“ – aus einem hochwertigen Produkt ein niederwertiges machen“ bedienen sich mittlerweile immer mehr Unternehmen der Methode des „upcyceln“. Um aus alten, gebrauchten Materialien neue, moderne Produkte zu fertigen.

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Kontakt

Andreas Van-Hametner

Andreas Van-Hametner, MSc

Infrastruktur und Innovation, Industriellenvereinigung Salzburg

T  +43 662 872 266 78
E   andreas.van-hametner@iv.at

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