„Wir überdenken Hierarchien“: Digitaler und kultureller Wandel bei Bosch

Er ist Kaufmännischer Leiter des Bosch Werks in Hallein und begleitet den „tiefgreifendsten Unternehmenswandel“, den es bei Bosch je gab: Uwe Zeise (40) erzählte im Rahmen der JI-Lounge am Montag über neue Führungskultur und Technik fürs Leben.

Uwe Zeise von der Robert Bosch AG berichtete über neue Führungskultur und den Salzburger Bosch-Standort.

Vor zehn Jahren, da war er 30, durfte sich Uwe Zeise bereits „Head of Controlling“ nennen. Der Job hat den Baden-Württemberger nach Salzburg geführt. Bei Würstel und Drinks gab der Bosch-Mann Einblicke in seinen beruflichen Werdegang und in aktuelle Themen. Das Format der montäglichen JI-Lounge bietet den Rahmen dazu. 18 Mitglieder der Jungen Industrie waren zum Austausch und Netzwerken gekommen.

Made in Austria

Wenn ein Slogan „Technik fürs Leben“ heißt, liegt das Unternehmenscredo Innovation und Qualität nahe. Wie aber hat sich das Selbstverständnis eines Konzerns geändert, der viele Jahre als Hardwareproduzent für Verlässlichkeit, gute Qualität und Tradition stand? Rund 400.500 Mitarbeiter beschäftigt Bosch weltweit (Stand: 31.12.2017), in Österreich sind es 2.900 Mitarbeiter, an den Salzburger Standorten in Hallein und Rif rund 1.000 Leute. Den Konjunkturaufschwung nutzt der Konzern. Am Standort Hallein etwa für die Produktion von Einspritzausrüstungen für Großmotoren, die an Motorenhersteller in aller Welt exportiert werden. Zu den Endanwendungen zählen u.a. Generatoren, Schiffe sowie schwere Land- und Schienenfahrzeuge. Die Produktion von Systemen zur Abgasnachbehandlung von Lastkraftwagen ist das zweite Standbein am Standort.

Höchste Qualität und Produktivität

Für ein Unternehmen, das an Hochlohnstandorten produziert, braucht es eine Differenzierung u.a. durch höchste Qualität. Daneben sind Flexibilität und Produktivität wesentliche Eckpfeiler. „Die Differenzierung über neue Ideen und eine noch effizientere Produktion ist wettbewerbsentscheidend. Man muss sich immer neu erfinden, das Erreichte kritisch hinterfragen und sich mit internen und externen Wettbewerbern benchmarken“, so Zeise. Dahingehend lobt er die Kreativität und das hohe Engagement seiner Mitarbeiter. Querdenken funktioniere in Österreich extrem gut. Generell gelte immer, profitables Wachstum mit wertebasiertem Handeln zu verknüpfen, was in der Praxis „weit über das Gesetzliche hinausgeht“, so Uwe Zeise. Bosch setzt deshalb u.a. auf strenge Kontrollen von Lieferketten und überprüft, ob diese den eigenen Vorstellungen von Corporate Social Responsibility entsprechen.

Kein digitaler Wandel ohne kulturelle Veränderung

Aktuell durchlebt das Unternehmen einen Wandel vom reinen Hardwarelieferanten zum Anbieter von Software und Services. Die Automatisierung hat Prozesse schon längst verändert. Vernetzung, Internet of Things und Industrie 4.0 erfordern neue Kompetenzen und Herangehensweisen, ebenso ein neues Verständnis von Führungskompetenz: Man müsse die Leute befähigen und die notwendigen Freiräume schaffen, sich einzubringen und mehr Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht es u.a. schlankere Strukturen, agile Methoden und eine positive Fehlerkultur. Was heißt das in der Praxis? „Wir werden weniger stark hierarchisch agieren und die Anzahl der Richtlinien reduzieren“, so Zeise. Ein Vorhaben, das Mut erfordert sowie ein neues Führungsverständnis. Inklusive der Verantwortung jedes einzelnen Mitarbeiters. Technik fürs Leben neu interpretiert – hin zur High Tech Company.

Kontakt

Mag. (FH) Gertraud Eibl, MAS

Presse & Kommunikation, Industriellenvereinigung Salzburg

T +43 662 872 266 79
gertraud.eibl@iv.at


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