IBM: Künstliche Intelligenz revolutioniert Industrien

„Die Mensch-Maschine-Interaktion funktioniert“: Warum IBM auf wilde Enten setzt und die Zukunft in der intelligenten Dienstleistung liegt, verrät IBM-Salzburg-Geschäftsstellenleiter Karl Heisler.

Karl Heisler, IBM-Salzburg-Geschäftsstellenleiter: Es geht nicht mehr um das Produkt, sondern um die intelligente Dienstleistung.

IBM ist Vorreiter bei der Transformation von Produkten in Dienstleistungen. Was ist das Besondere am Geschäft mit intelligenten Daten?
Bei IBM ist die Digitalisierung insofern ein spezielles Thema, als wir uns seit Jahrzehnten mit ihr beschäftigen. Damals in Form immer schnellerer Rechner und intelligenter Dienstleistungen. Mittlerweile verfolgen wir verstärkt Industrielösungen. Unser Geschäftsmodell hat sich gewandelt, wir verkaufen nicht mehr nur Hardware und Software, sondern bieten diversen Industrien kognitive Lösungen auf Cloud Plattformen an. Wir entwickeln mit agilen Methoden und schaffen Wettbewerbsvorteil durch Effizienz. Es geht nicht mehr um das Produkt, sondern um die intelligente Dienstleistung. Dieser stete Wandel zeichnet uns aus.

Wie sieht dieser kulturelle und digitale Wandel bei IBM intern aus?
Innovation kommt bei IBM sowohl von innen als auch von außen. Wir haben weltweit zwölf Research Centers mit über 3.000 Forschern, darunter fünf Nobelpreisträger. Auch Unis und Forschungseinrichtungen sind strategische Partner. Außerdem setzen wir auf internationale Teams, so machen wir etwa interne Challenges, bei der Mitarbeiter Ideen gegenseitig „funden“ können. Jene Ideen mit den größten Fundings werden umgesetzt und finanziell dotiert. Wir arbeiten viel mit Startups zusammen und stellen agile Plattformen zur Verfügung. Unsere Cloud Plattform ist für die Entwicklung und zum Start im Rahmen des IBM Global Entrepreneur Programms frei erhältlich. Watson Services können im Entwicklungsstadium genutzt werden, das ermutigt zu Shared Modellen.

Gibt es so etwas wie den typischen IBMer?
Wir haben bei der IBM neun Handlungsmaxime. Eine davon heißt „Treasure Wild Ducks“ – wie realisiere ich die guten Ideen der wilden Vögel? Das lehrt und ermutigt uns, Ideen zuzulassen, die erst mal unverständlich sind. Damit geben wir Genies eine Plattform.

Ein Genie scheint auch der Roboter Nao zu sein…
Nao symbolisiert die Mensch-Maschine-Interaktion auf beeindruckende Weise, obwohl Nao selber nicht intelligent ist. Die Intelligenz kommt von Systemen wie Watson mit ihren kognitiven Services. In der Kommunikation mit Maschinen tun sich Menschen oft leichter, wenn die Maschine menschliche Züge hat. Nao repräsentiert einen Menschen durch Augenkontakt, Reaktionen auf Emotionen und intelligente Dialoge. Aktuell kommunizieren Menschen mit ihren Smartphones, aber es gibt eine Unmenge weiterer Assistenzsysteme, etwa in Form von Früherkennungssystemen. Die Möglichkeiten der Mensch-Maschine-Interaktion sind vielfältig.

Welche Felder bieten sich für den Einsatz kognitiver Systeme an?
Der Einsatz solcher Systeme reicht von Banken über den Handel bis hin zur Medizin. In den vergangenen fünf Jahren haben sich Algorithmen und Systeme massiv weiterentwickelt, Sprache und Zusammenhänge können noch besser erfasst werden. Mit der Bayerischen Versicherungskammer etwa haben wir eine Kooperation, in der es um das Erkennen von Eskalationsstufen durch Sprach- und Stimmungsanalysen geht. Das System erkennt Befindlichkeiten in Dialogen, etwa nach Unfällen. Danach klassifiziert das IBM-Tool Mails und Schriftstücke in einem sogenannten Scoring und gibt Aufschluss über Dringlichkeiten und Formen der Servicierung.  

Geht es in der künstlichen Intelligenz primär um Individualisierung?
Servicierung und Individualisierung sind wichtige Aspekte. Es geht darum, die Sprache im Kontext zu verstehen. Auch Roboter sind eine Form des User Interface. Viele Firmen arbeiten etwa mit Chatbots: Kunden werden mit einem intelligenten Dialog serviciert, das geht schnell und ist effizient. Ab einer gewissen Schnittstelle wird an den Menschen übergeben, dann braucht es nach wie vor den persönlichen Kontakt.

Welche Rolle spielen Vertrauen und kulturelle Aspekte?
Vertrauen spielt eine große Rolle, das baut sich mit Erfahrungswerten sukzessive auf. Die Mensch-Maschine-Kommunikation durch Roboter oder Chatbots ist etwa in Asien schon weiter fortgeschritten als in Europa. Vertrauen schafft sowas wie eine Instant-Reaktion: auch der Chatbot kann das abwickeln, die Mensch-Maschine-Kommunikation funktioniert.

Inwieweit geht die digitale mit einer kulturellen Transformation einher?
Der digitale Kommunikator schafft neue Möglichkeiten, das kennen wir alle durch die Kommunikation über das Mobiltelefon und die Nutzung von Apps. Die Transformation schreitet auch in der Industrie durch Vernetzung und Digitalisierung voran. Die Industrie befindet sich in einem massiven Wandel.

In München steht das globale Watson IoT-Center. Das Internet der Dinge erobert Industrien und zieht in private Haushalte ein.
Das stimmt, durch das Internet of Things ist etwa das autonome Fahren so richtig in Fahrt gekommen. Spannend wird in Zukunft vor allem der Bereich „Connected Drive“ mit Navigationssystemen und Frühwarnsystemen: Der personalisierte Assistent im Auto erkennt das Fahrerverhalten, warnt vor Gefahren im Straßenverkehr, weist auf Öffnungszeiten und auf persönliche Einkaufsgewohnheiten hin, er kennt den Terminkalender des Fahrers, assistiert und navigiert. Individualisierung ist das primäre Thema.

Wie schafft es IBM, für seine Vorreiterrolle ausreichend Spezialisten zu gewinnen?
Fachkräfte zu gewinnen ist tatsächlich eine Herausforderung – regional und global. Wir brauchen Mitarbeiter mit speziellen Kompetenzprofilen. Dafür schaffen wir intelligente und hochwertige Arbeitsplätze und rekrutieren international. Wir haben sehr gute Ausbildungsprogramme, bei uns gibt es etwa die Maxime „Think 40“, das heißt: 40 Stunden Weiterbildung muss ich jährlich nachweisen. Das Pensum nach oben ist offen. In Österreich sehe ich eher ein quantitatives Problem, wir wissen, dass die Anforderungen der Industrie von den Schulen und Universitäten noch nicht gedeckt werden. 

 

IBM ist ein weltweit tätiges Technologie- und Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Armonk, NY (USA). IBM ist in mehr als 170 Märkten rund um den Globus aktiv. Das Lösungsportfolio reicht von Software über Hardware und Infrastruktur bis hin zu kognitiven Lösungen in der Cloud, Services und Beratung. Die strategischen Wachstumsfelder sind kognitive Systeme, Cloud, Big Data, Social und Security. Das Unternehmen blickt auf eine mehr als hundertjährige Tradition als Business Company zurück und feiert 2017 sein 106-jähriges Bestehen.

Karl Heisler, Geschäftsstellenleiter Salzburg und Business Development Executive für Industrie 4.0, begleitet Unternehmen in Österreich bei der Umsetzung Ihrer Digitalisierungsstrategie. Nach dem Studium der angewandten Informatik mit Schwerpunkt Wirtschaftswissenschaften startete er seine Karriere als Consultant bei IT-Unternehmen in München. Danach leitete er ein Startup in einem internationalen Konzern und führte dieses zu einem Marktführer im Entertainment Bereich. Anschließend übernahm er die Verantwortung als Vice President für den Aufbau des digitalen Geschäftsfeldes bei Sony DADC. Seit 2013 begleitet er für IBM Industrieunternehmen bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsfelder im Bereich Big Data, Analytics und kognitiver Lösungen.

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Mag. (FH) Gertraud Eibl, MAS

Presse & Kommunikation, Industriellenvereinigung Salzburg

T  +43 662 872 266 79
E   gertraud.eibl@iv.at

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