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Digitalisierung als Werkzeug für mehr Ressourceneffizienz

Wie können digitale Lösungen Materialeinsatz reduzieren und -kreisläufe schließen? Am Beispiel der Textilbranche wurde diese Frage vom Ausschuss für Digitalisierung & Innovation diskutiert. Die Plattform dafür bot das Ressourcen Forum Austria im Rahmen eines Webinars.

Dass eine Ressourcenwende nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus betriebswirtschaftlicher Perspektive notwendig ist, trifft im Besonderen auf die Textilbranche zu. Sie ist einerseits hoch ressourcen-intensiv sowie mit Problemen wie „Fast Fashion“ und schwach ausgebauten Recyclingpfaden konfrontiert, und hat andererseits verschiedene ökonomische Herausforderungen zu meistern (hoher Anteil an KMU, intransparente Lieferketten, viel manuelle Fertigung, Kostendruck durch Wettbewerb aus Asien). 

Schwerpunkt Fasern & Textilien

Das Schlagwort Digitalisierung fällt häufig als ein zentraler Lösungsansatz, wenn es darum geht, Ressourceneffizienz in der Produktion zu steigern oder Kreislaufwirtschaftsmaßnahmen umzusetzen. Eine Ressourcenwende im Betrieb als Chance meint somit eine optimierte und beschleunigte Produktion mit reduziertem Ausschuss, Materialeinsparungen und vermiedenem Abfall. Für all das braucht es Datensätze mit Informationen zu Komponenten, Materialien und verwendeten Substanzen, die mit Hilfe digitaler Lösungen gewonnen, aufbereitet und verarbeitet werden können. Auch interne wie betriebsübergreifende Kreislaufführungen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sowie die Rückverfolgbarkeit der gesamten Wertschöpfungsketten bedürfen Daten und damit digitaler Lösungen.  

Erste Schritte

Zunächst muss ein Unternehmen selbst einschätzen, wo es bislang steht (Reifegrad), dann müssen Zielszenarien definiert werden, um schlussendlich in einem sich wiederholenden Prozess die Daten zu erheben und zu bearbeiten. Die Nutzung eines Reifegradmodells ermöglicht es Unternehmen, sich auf Basis des bisherigen Digitalisierungsgrades eine der folgenden Gruppen einzuordnen und daraus die nächsten Schritte abzuleiten: Erkunder, Einsteiger, Fortgeschrittener, Experte und Vorreiter. Neben jener strukturierten Vorgehensweise soll sich das Unternehmen auch Fehler zugestehen und eine Kultur des Lernens etablieren. Jeder Digitalisierungsprozess muss auch als Experiment verstanden werden, das auch scheitern kann. Außerdem ist es wichtig, bereits von Beginn an den Adressaten der Ergebnisse im Auge zu behalten. Denn der beste Digitalisierungsprozess mit relevanten Ergebnissen nützt nichts, wenn sie keiner ansieht. 

Datensammlung

Mit einer gut aufbereiteten Datenbasis kann Verschwendung erkannt und klare Nachhaltigkeitsziele formuliert werden. Verfügt man über eine hohe Fertigungstiefe, mit Herstellungsschritten von beispielsweise Design, über Strickerei bis zu Konfektion und Näharbeiten, so kann das für Digitalisierungsprojekte von Vorteil sein, da man viele Entscheidungen inhouse treffen kann. Denn das Problem beim Daten sammeln ist, dass möglicherweise viele Daten nur in unterschiedlichen Formaten - in Kilogramm, Laufmeter oder Minuten - vorliegen. Diese Daten müssen zunächst gebündelt werden. Und auch wenn Daten aus dem eigenen ERP (Enterprise-Resource-Planning-System) genommen werden können, besondere Bedeutung bei der Datenerhebung ist den zuliefernden Maschinenherstellern zu widmen.  

Lieferkettentransparenz

Eine große Herausforderung besteht zudem in der Erreichung eines hohen Grades an Lieferkettentransparenz. Dies liegt daran, dass die Mode- und Textilindustrie äußerst komplex ist, unterschiedliche Standards hat und die Teilnehmer in der Lieferkette nur schwach miteinander verbunden sind. Dem gegenüber stehen stark angestiegene Anforderungen an die Textilbranche, durch zunehmenden Druck von Regierungen, Kunden, aber auch anderen Stakeholdern entlang der Lieferkette. Deshalb braucht es Lösungen, die sowohl Traceability (Wissen woher/von wem ein (Vor-)Produkt stammt) als auch Transparenz (Wissen woraus Produkte bestehen und wer diese wo unter welchen Produktionsbedingungen hergestellt hat) ermöglichen, um dann auch für Anforderungen der Zirkularität gewappnet zu sein.